Power-Sightseeing im Reich der Mitte: Ni Hao China!

Nach unserem Abenteuer Mongolei freuen wir uns auf ein verlässliches und ruhiges Fortbewegungsmittel: die Eisenbahn. Von Ulanbator treten wir den letzten Abschnitt unserer Reise mit der transsibirischen bzw. transmongolischen Eisenbahn an. 36 Stunden Fahrt sind wir von Peking – und damit unserem finalen Stop entfernt.

Mit eigentlich gar keiner all zu großen Erwartung – wir haben die Mongolei und Ihre Überraschungen ja jetzt einen guten Monat erlebt – steigen wir in Ulanbator in den Zug. Doch was wäre ein Abschied aus der Mongolei ohne eben diese? Diesmal sind wir jedoch richtig positiv überrascht. Wir betreten einen hochmodernen mongolischen Schnellzug. Ein super sauberes 2 Bett-Abteil mit weissen Leinen und shared bathroom mit der Nachbarkabine wartet auf uns. Genau das, was wir jetzt brauchen! Leider lag ich in den letzen Tagen in Ulanbator mit Fieber flach. Auch Jan kränkelt ein wenig. Also machen wir es uns gemütlich und geniessen die Fahrt. Ganz leise und ruhig gleitet der Zug über die Schienen. Kein Vergleich zu den Exemplaren, die wir in Russland erlebt haben.

Spannend und definitiv ein Erlebnis: die Grenzquerung nach China. Aus der Mongolei reisen wir relativ entspannt aus. Wir müssen lediglich die Türe unserer Kabine öffnen und abwarten was passiert. Die Mongolei fährt zum Abschied alles an Uniformen auf, was sie zu bieten hat. Polizei, Grenzbeamte, Zoll, Schaffner, Militär, … alle stecken sie den Kopf in unsere Kabine und wollen unsere Pässe, Ausreiseformulare oder Zollerklärung einsammeln, oder einfach nur hallo sagen. Etwas mulmig wird uns, als sich der Zug wieder Bewegung setzt, wir aber unsere Pässe von der mongolischen Grenzbeamtin noch nicht zurückerhalten haben. Jan steckt gleich den Kopf in die Nachbarkabine, in der ein ebenso verdutztes englisches Pärchen sitzt. Wir beschließen: 4 Pässe werden die Mongolen schon nicht für sich behalten und warten ab. Der Zug hält tatsächlich ein paar Minuten später wieder an und wir bekommen unsere gestempelten Pässe zurück. Alles hatte also seine Richtigkeit.

Die Einreise nach China ist ein anderes Kaliber. Der Zug hält – alle Passagiere steigen aus – inklusive Ihrem Gepäck. Da kommt Freude bei uns auf. Wir sind offensichtlich die einzigen beiden Reisenden im Zug, die nicht mit Rollkoffer, sondern mit 25kg schweren Dufflebags auf den Rücken unterwegs sind. Der arme Jan muss sogar beide schultern, da ich mich leider alles andere als fit fühle. Weiter geht es in eine Einreisehalle. Wir füllen ein Einreiseformular aus, unser Gepäck wird gescannt und nachdem wir all unsere Fingerabdrücke haben digital erfassen lassen, dürfen wir nach China einreisen. Das heißt konkret erstmal an‘s andere Ende der Einreisehalle. Dort warten wir geschlagene fünf Stunden, bis unser Zug dann irgendwann nachts um zwei Uhr weiterfährt. Der komplette Zug ist zwar bereits nach weniger als der Hälfte der Zeit abgefertigt. Natürlich halten wir uns aber an den Plan und verweilen mit dem Rest der sichtlich genervten Reisenden. Endlich wieder mit Gepäck im Zug angekommen, richten wir uns in der Kabine erneut ein und wollen eigentlich nur noch Zähneputzen und zurück in unsere Betten. Klar, dass die Toiletten am Grenzübergang und auf unbestimmte Zeit danach erstmal gesperrt sind.

Am nächsten Nachmittag dann heisst es “Ni Hao Peking!“. Über 9000km Fahrt in der Eisenbahn liegen nun hinter uns und wir sind plötzlich an jenem Ort, der in Sankt-Petersburg noch so weit weg zu sein schien. Ein wenig wehmütig verlassen wir den Zug.

In Peking wartet Power-Sightseeing auf uns. Unser Visum, das wir ja während unseres Aufenthalts in Deutschland beantragt haben, läuft bald ab. Uns bleiben vier Tage in der Mega-City. 1,5 Milliarden Menschen wohnen hier offiziell. Inoffiziell ist die Zahl noch einmal deutlich höher. Über 150km ist die Ausdehnung der Stadt im Durchschnitt in alle Himmelsrichtungen. Hinzu kommt, dass wir ungünstigerweise über den höchsten staatlichen Feiertage, die so genannte „golden week“ in Peking sind. Dieses Jahr wird passenderweise das 70-jährige Jubiläum der Gründung der Volksrepublik gefeiert. Klar, dass die Chinesen hier besonders gross auffahren.

Wir lernen, dass wir mit unserem Visum über die Feiertage großes Glück hatten. Eigentlich werden zu dieser Zeit kaum Ausländer in die Stadt gelassen. Das passt zu unserer Wahrnehmung. Im Hotel sind wir definitiv die einzigen beiden Westler. Das Hotel übrigens ist eine Erfahrung wert. Mit dem Rauchverbot, nehmen es die chinesischen Gäste nämlich nicht so genau. Sie quarzen beherzt in ihren Zimmern. Gelüftet wird – klar – auf den Flur natürlich. In einem – so kündigen es zu mindest Verbotsschilder an jeder Wand an – Nichtraucherhotel. Zum Glück sind wir die meiste Zeit auf Achse.

Wir gönnen uns einen Guide, der uns in der Kürze der Zeit die Highlights zeigen wird. Los geht es mit dem Sommerpalast des Kaisers. Eine riesige Parkanlage, die zu Zeiten der Kaiser, als Sommerresidenz diente. Hier ist es tatsächlich angenehm kühl und die Luft ist dank des vielen Wassers erstaunlich gut. Fast vergessen wir die graue Smog-Glocke, die über der Stadt liegt.

Am Nachmittag wartet das Wahrzeichen der Stadt, der Himmelstempel auf uns. Wie der Sommerpalast auch, eine kleine Oase in der Hektik der Mega-City. Zum Abendessen gibt es stilecht Peking-Ente. Ein Muss, wenn wir schonmal hier sind und ganz vorzüglich! Außerdem, eine echt gelungene Abwechslung zur Nudelsuppe, mit der wir sonst immer kämpfen.

Am nächsten Tag wollen wir zur chinesischen Mauer. Für uns einer der Gründe, warum wir nach China wollten. Einmal auf der Mauer entlang spazieren.

Unser Spaziergang entpuppt sich als abenteuerliche Wanderung. Wir erklettern uns zuerst einen abgelegenen und nicht restaurierten Teil der Mauer.

Den krönenden Abschluss – den wir auf sehr interessantem Weg erreichen – bildet dann ein renoviertes Mauerstück. Ja! So haben wir sie uns vorgestellt die chinesische Mauer.

Der letzte Tag steht ganz im Zeichen der verbotenen Stadt. Dem zweiten Grund, der uns nach China geführt hat. Über das so genannte Himmelstor am Platz des himmlischen Friedens gelangen wir in die verbotene Stadt. Unglaublich, wie viele Menschen wir hier antreffen. 80.000 Gäste besuchen diesen Ort täglich (Wäre es nicht limitiert, wären es wohl noch deutlich mehr). In der schwülen Hitze schieben wir uns mit den Massen durch den sagenumwobenen Ort.

Ein Aussichtshügel am Ende der verbotenen Stadt lässt uns noch einmal stauen. Die verbotene Stadt sieht nicht nur groß aus – sie ist es auch.

Am Abend entdecken wir um die Ecke von unserem Hotel noch eine Kung-Fu Show. Warum nicht – ein bisschen Kitsch zum Abschluss.

Heute verlassen wir Peking mit vielen Eindrücken im Gepäck und sind echt erschöpft. So extremes Power-Sightseeing hatten wir schon lange nicht mehr. Nächster Halt: Bangkok! Hier tanken wir noch einmal richtig auf. Von hier aus geht es für uns nämlich zurück ins Himalaya. Trekking im so genannten „Land des Glücks“ Bhutan wartet auf uns. Mit der Rückkehr ins Himalaya und einer Reise nach Bhutan erfüllen wir beide uns einen weiteren ganz großen Traum.

Greta // Auf dem Flug von Peking nach Bangkok // 03. Oktober 2019