City hopping in Bolivia

Sonntag, 18. März – kurz nach 7:00 Uhr – Flughafen La Paz. Wir sind auf einen Flug von La Paz nach Sucre mit Bolivian Airlines gebucht. Wir checken pünktlich ein. Aus irgendeinem Grund fragen wir die Dame am Counter, mit welchem Flugzeugtyp wir fliegen werden. Die Antwort: Boeing 737 – Max8. Wir gucken uns entsetzt an. Der Flugzeugtyp, der in den letzten Wochen zwei Mal wegen einer fehlerhaften Software abgestürzt ist und seitdem in Europa und den USA weder starten und landen darf. Die Dame am Counter lächelt uns an: „Hier in Bolivien ist das eben anders“. Wir lassen unser Gepäck sofort vom Band nehmen und hirnen panisch. Alternativen? Gibt es keine. Nach reichlicher Überlegung entscheiden wir uns: wir steigen ein. Die Dame am Counter belächelt uns müde, als sie unsere Koffer zum zweiten Mal eincheckt. Völliges Unverständnis für unseren Deutschen Sicherheitswahn.

Mit einem sehr mulmigen Gefühl gehen wir zur Sicherheitskontrolle. Dort nimmt man Jan sein kleines Schweizer Taschenmesser mit 2cm Klinge ab. Das wir mit dem Taschenmesser bis jetzt um die halbe Welt gereist sind, interessiert hier keinen. Jetzt lebt der kleine Helfer beim bolivianischen Zollbeamten weiter, der uns nur süffisant anlächelt und erklärt, dass er hier das Sagen hat … 

Am Gate warten wir nach dieser Aktion richtig gut gelaunt auf unseren Flieger. Was soll heute schon noch passieren? Passenderweise fällt uns genau jetzt ein, dass wir einen Flug nach Japan mit Transit in den USA gebucht haben und noch keinen aktuellen ESTA Antrag mehr besitzen. Also – ESTA Antrag im bolivianischen High-Speed-Internet. Halleluja! 

Beim Einsteigen in den Flieger weisen wir den freundlich lächelnden Steward nochmal darauf hin, dass eine Boeing 737-Max8 in Deutschland nicht mehr starten dürfte. Und was sagt er? „Don‘t worry – we changed the plane! It is a Boing 737-300 today!“. Ob die uralte Boing 737-300 besser ist? Egal finden wir … und kommen sicher in Sucre an.

Nach dem ganzen Trubel haben wir so gar keine Lust mehr, die Hauptstadt Boliviens zu entdecken. Doch – Sucre zeigt sich sonnig, ruhig und richtig charmant. Und auf 2.810m gibt es auch wieder ungewohnt viel Sauerstoff für uns.

Deutlich kleiner als La Paz ist Sucre einfach nur schön. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und geniessen Kaffee, das bolivianische Nationalgetränk Mocochinchi und super leckere bolivianische Schokolade.

Am Abend belächeln wir bei einem Sundowner mit Blick über Sucre die Aufregung des Tages. What a day!

Von Sucre geht es für uns weiter nach Potosi – die bekanntesten Mienenstadt Boliviens. Potosi ist grau, chaotisch und dreckig. Wie man sich eine Mienenstadt eben vorstellt. Zurück auf einer Höhe von über 4.000m ist alles wieder deutlich anstrengender für uns.

Mit einem ehemaligen Mienenarbeiter besichtigen wir eine aktive Miene. Was für ein Erlebnis. Bevor es in die Miene geht, besorgen wir auf einem lokalen Markt kleine Geschenke für die Mienenarbeiter. Wir entscheiden uns für Coca-Blätter und Soft-Drinks.

Alternativen wären hochprozentiger Alkohol oder Dynamit – beides frei verkäuflich!!! – gewesen. Uns beiden wird anders, als wir Schritt für Schritt tiefer in den Berg krabbeln und die Luft immer stickiger wird.

Unglaublich, dass hier immer noch von Hand mit Technik aus den 70er Jahren Silber abgebaut wird. Beeindruckt, aber auch nachdenklich freuen wir uns über die frische Luft, als wir die Miene wieder verlassen.

Unsere Reise geht weiter nach Uyuni. Als wir in Uyuni ankommen, verstehen wir, warum in jedem Reiseführer steht, dass Bolivien das ärmste Land Südamerikas ist. Uyuni liegt mitten im Nichts in der Wüste. Keine asphaltierten Straßen, sondern nur Staub und einfache Hütten. Wir staunen nicht schlecht, dass es für uns ein sauberes – aber eiskaltes Zimmer gibt. Wir sind eben immer noch auf knapp 4.000m.

Passend zur Geisterstadt-Flair ist der Eisbahn-Friedhof von Uyuni. Hier ist die Zeit stehengeblieben.

Alte, verrostete Züge, soweit das Auge reicht. Was für eine Kulisse für alle Fotografen … und ein riesiger Abenteuerspielplatz für uns!

Wir sind angekommen im tiefsten Bolivien. Obwohl es rudimentär, kalt und überall staubig ist, fühlen wir uns wohl. Wenn man in die berühmte Salar d‘Uyuni – die größte Salzpfanne der Erde möchte, muss man hierher kommen. Und genau die wartet morgen auf uns!

P.s.: Wir schreiben unseren Blog aktuell mit einem Zeitversatz von ca. 2 Wochen. Auf unserer Reise hatten wir lange kein Internet und hier in Bolivien gibt es leider keine modernen Schreibmaschinen für mich. Seht selbst … 😉

2 Kommentare

  1. Lieber Jan,
    so habe auch ich mein Schweizer Taschenmesser verloren; ich hatte es von einem Kongress in meinem Bordcase vergessen. Auf der Hinreise nach Portugal hat es niemand gefunden, aber der Kollege von der TAP in Lissabon war doch gründlicher und mein Messer flog im hohen Bogen in einen Container… schnüff.
    Also sei getröstet.
    …Und bringt mir bitte für 500 Mark Schokolade mit, danke.

  2. Meine Güte. Was für eine Landschaft, was für eine Reise. Wir freuen uns schon auf das nächste Kapitel.

    Gute Reise

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