Kirgistan – where the locals are friendly

Wir sind in Kirgistan angekommen! Dem dritten der Stan-Länder, in das es uns zieht. Wir landen in Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans. Auch wenn wir nicht viel Zeit in der Metropole verbringen möchten, eines fällt uns trotzdem gleich auf. Etwas ist anders hier als in den Stans, aus denen wir kommen. Im Gegensatz zu Usbekistan und Tadschikistan lächelt hier nicht ein überdimensionaler Präsident von jedem zweiten Gebäude. Nein, irgendwie sieht es hier überraschend „normal“ aus. Von den Fassaden leuchten bunte Reklamen für Kosmetikprodukte, Handys und Co. 

Nach einer Nacht in Bishkek fahren wir südlich in‘s Landesinnere an einen Ort namens Kyzyl Oi. Den finden wir sogar auf Google Maps. Bessere Voraussetzungen schonmal im Vergleich zu Tadschikistan. Dabei ist in Kyzyl Oi die Zeit stehen geblieben. Offensichtlich lange vor der Einführung von Google Maps.

Am Ortseingang teilt uns das Tourist Office – so nennt es sich zu mindest, als solches zu erkennen ist es nicht – eine Gastfamilie zu. Kommen Touristen in‘s Dorf, werden sie gerecht auf die lokalen Familien verteilt. So hat jede Familie die Chance, von den ausländischen Gästen zu profitieren. Hatten wir Glück? Oder ist etwa jede Familie so gastfreundlich? Wir finden, wir hatten großes Glück. Ein sauberes Bett, eine Dusche mit fließendem Wasser und ein westliches Klo mit Klopapier. Herrlich! Dazu ehrliche kirgisische Küche und eine Gastmutter, die rund um die Uhr wie ein Honigkuchenpferd strahlt, weil sie zwei europäische Gäste hat. 

In Kyzyl Oi gibt es eigentlich nicht viel zu sehen, für uns aber ganz viel zu entdecken. Bei einem Spaziergang erkunden wir das kleine Dorf. Freundlich grüßt es aus jedem Haus: mal sind es die Einheimischen Menschen, mal die Hunde und mal die Schafe, die frei herumlaufen. „Kirgistan – where the locals are friendly“ eben.

Irgendwie gelangen wir am nächsten Tag an einen Ort mit dem Namen Kyzart. Laut Google Maps haben wir uns auf Straßen dorthin fortbewegt. Die Realität fühlt sich anders an. Vier endlose Stunden schaukeln wir in einem Mini-Van über Schotterpisten, durch Schlaglöcher und über chinesischen Asphalt. Auf dem wandern mehr Kühe und Schafe als Autos.

Gut, dass es für uns ganz gemütlich und mit nur einem PS weitergeht. Mit dem Pferd reiten wir die kommenden Tage durch die kirgisische Steppe. Jan fühlt sich gleich richtig wohl auf seinem Pferd. Routiniert reitet er über Stock und Stein als säße er schon jahrelang im Sattel. Zwar merkt das Pferd, dass nicht ein hemmungsloser Local, sondern ein lieber Tourist auf ihm sitzt, aber das ist kein Problem für Jan. Das Kommando für „Los geht’s!“ hat er gleich nach dem ersten km verinnerlicht. „Tschuuuuu!“ tönt es immer wieder von irgendwo ganz weit hinten. Natürlich braucht das Pferd auch gleich einen Namen: Jan entscheidet sich für Thor. Der Name ist allerdings nicht immer Programm, denn Thor schnauft ganz schön, sobald es auch nur ein wenig bergauf geht.

Gut, dass unser Jurten-Camp in Sicht ist. Pause für die Pferde und auch für uns. Unsere erste Nacht in einer Jurte. Wir sind gespannt! Wir genießen das bunte Treiben im Camp, schauen den Nomaden beim Kochen zu und jagen dem jungen Camp-Hund hinterher, der ständig unsere Flip Flops mopst. Denn in der Jurte heißt es: Schuhe aus. Die Spannung lässt leider bereits gegen Mitternacht nach. Dort finde ich die erste von insgesamt drei (!!!) Spinnen in (!!!) meinem Schlafsack. Das kommt davon, wenn man auf dem Boden schläft.

Der nächste Morgen bricht zum Glück irgendwann an und weiter geht es für uns durch die Steppe. Jan und Thor sind gleich wieder ein Herz und eine Seele. Ich fühle mich nicht wirklich entspannter auf dem Rücken meines Pferdes als am Vortag. Über einen Namen für mein Pferd habe ich zu mindest nicht nachgedacht. Mir tun leider nach 1000 Höhenmetern auf dem Pferd die Knie so weh, dass ich zu Fuß weiter ziehe. Das war meine Antwort auf Jans Frage, wie mir das Reiten heute so gefällt. No words needed…

Die körperlichen Strapazen lohnen sich jedoch. An unserem Ziel, dem Song Kul Lake, erwartet uns ein neues Jurten Camp. Die Jurten sind besser ausgestattet. Es gibt Betten! Und wenn wir wollen sogar einen kleinen Ofen, der befeuert werden kann. Die Betten nehmen wir liebend gerne, den Ofen benötigen wir nicht. Wir frieren nicht in unseren Schlafsäcken. Was für ein schöner Ort. Und in den Abendstunden soll er noch schöner werden.

Wir verabschieden uns von den Pferden und für uns geht es weiter zu Fuß. Wir besuchen eine Kooperative einheimischer Frauen und erleben, wie Teppiche traditionell hergestellt werden. Natürlich helfen wir gerne mit und treten das nasse Schafsfell in der Bastmatte mehrere Minuten lang. Ob der Teppich wohl was wird? Die einheimischen Frauen treten nochmal versiert nach. Und tatsächlich: das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wir verbringen noch ein paar Tage im Zelt und erkunden die kirgisischen Berge. Die – da sind wir uns einig – sind für Pferde gemacht und nicht für Wanderer. Vom Rücken der Vierbeiner aus fasziniert uns die Landschaft einfach deutlich mehr. Wie schön, dass wir nochmal ein paar Kilometer auf den Pferden zurücklegen dürfen. Die tragen eigentlich Zelte, Essen und Wasser, bewegen sich aber deutlich schneller als wir vorwärts. Die letzen Kilometer zum Camp, nachdem die Tiere entladen wurden, können wir also ganz entspannt reiten. „Kirgistan – where the horses are friendly“ wäre auch ein treffender Blog-Beitrag gewesen.

Vielleicht lag es auch am Wetter, dass wir uns auf die Pferderücken zurück gewünscht haben. Bei einer Passquerung  (in kurzen Hosen) auf knapp 4000m fängt es auch noch an zu schneien. 

Gerade fahren wir zurück in die Hauptstadt Kirgistans nach Bishkek. Noch heute Nacht fliegen wir weiter nach Ulanbatar. Die Mongolei wartet auf uns! Die Nomaden und ihre Jurten hier haben uns so fasziniert, dass wir noch mehr davon sehen wollen. Damit sind wir auch wieder ungefähr dort, wo wir die transsibirische Eisenbahn vor einigen Wochen verlassen und unsere Reise nach Osten unterbrochen haben. Vor uns liegen noch viele weitere km im Zug bis wir unser Ziel Peking erreichen werden.

Nach einem guten Monat und drei Stans ziehen wir nun weiter. Was nehmen wir mit? Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan. Jedes der Länder war für sich eine Reise wert. Alleine schon der Menschen wegen. Die Herzlichkeit, mit der wir überall empfangen worden sind, wiegt die bittere Armut und die damit verbundenen sehr einfachen Verhältnisse schnell wieder auf. 

Gerade habe ich Jan gefragt: „Welches der Stans hat Dich am meisten berührt?“ Ohne zu zögern antwortet er: „Tadschikistan“. Und lächelt mich an. Die Frage: „Und Dir?“ muss er mir nicht stellen. Denn er kennt die Antwort bereits. Wir sind uns einig.

P.S.: Wie immer sind viele weitere Bilder in unserer Galerie. Schaut doch gleich mal rein.

Greta // auf dem Weg zurück nach Bishkek //  02. September 2019

2 Kommentare

  1. Ich beneide euch. Schöner Bericht.

  2. ich muss schon Sagen einfach nur Geil Das ist das eigentliche leben. Nicht rastlos sondern die Natur und die Menschen stehen im Mittelpunkt. Man wird entschleunigt!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

19 − 3 =