• Greta

Einmal Sizilien und zurück, bitte!


In den letzten Tagen haben uns viele Nachrichten erreicht: „Alles ok bei Euch?“, „Geht es Euch gut?“, „Wir haben schon so lange nichts mehr von Euch gehört …“. Wir freuen uns natürlich sehr, dass Ihr Euch um uns sorgt und uns und unsere Berichte vermisst. Bei so vielen Nachfragen haben wir aber auch ein ganz schön schlechtes Gewissen, dass es lange kein Update mehr von uns gab. Dabei gibt es viel zu erzählen!

Unseren letzten Blog-Beitrag haben wir aus Nord-Italien veröffentlicht. Durch die Schweiz sind wir in’s wunderschöne Piemont gereist und haben am Lago Maggiore das Dolce Vita genossen. Von dort aus ging es für uns in den folgenden Wochen immer weiter Richtung Süden: von der Lombardei, durch Emilia-Romagna und die Toskana, über Umbrien, Latium und Kampanien nach Apulien, Basilikata und Kalabrien – bis nach Sizilien.

Was sich hier wie ein sonniger Giro d’Italia liest, entpuppt sich in Realität als eine Reise der Wetterkapriolen. In der Toskana haben wir nicht nur Dauerregen, sondern sogar Eis im Dachzelt, in Apulien Sturmböen bis zu 80 km/h und den Ätna auf Sizilien erkunden wir im Schnee.

Wettertechnisch für uns also ein totaler Reinfall, für unsere Ausrüstung und das Fahrzeug allerdings der perfekte Test. So wissen wir jetzt, dass wir 100% dichte Regenjacken an Bord haben, in unseren Schlafsäcken im Dachzelt auch bei Minusgraden nicht frieren und 80 km/h Sturmböen für das Dachzelt technisch machbar, aber grenzwertig sind.

Natürlich gibt es auch sonnige Momente, aber vor allem herzliche Begegnungen für uns in Italien. Überall im Land gibt es erstklassigen Agriturismo. In der Lombardei verbringen wir so einige Tage auf einem Weingut. Die tägliche Weinprobe ist obligatorisch, der Abendspaziergang durch die Weinberge ebenfalls und das leckere Essen, was Nonna für uns zubereitet sowieso.

Eine Speisekarte sehen wir übrigens nur selten. Meistens kommt auf den Tisch, auf was die Köchin Lust hat. Mit nur kleinem Hunger einzukehren, ist in solchen Fällen keine gute Idee. Einer unserer Gastgeber war so z.B. zutiefst enttäuscht, dass wir nach einem prall gefüllten Tisch voller hausgemachter Antipasti, Primi und Secondi völlig unverständlicherweise einfach keinen Platz mehr für einen Nachtisch hatten. Als wir am nächsten Tag abreisen, bekommen wir mit einem ernsten Blick zwei prallgefüllte Tüten in die Hand gedrückt: unseren Nachtisch und noch einen „kleinen“ Snack für die Fahrt. Nonna hat Angst, dass wir nicht satt geworden sind, erklärte sie uns bei einem Espresso, den sie uns zum Abschied noch schnell ausgibt.

Vom herrlichen Limonenkuchen naschen wir drei Tage lang und der „kleine“ Snack entpuppt sich als zwei riesige Pizzen und diverse Focacci in allen möglichen Varianten. Natürlich ebenfalls ausreichend für mehrere Tage. Übrigens, nicht nur der Espresso, sondern selbstverständlich auch die beiden Care Pakete gingen auf’s Haus – Diskussion nicht zugelassen, versteht sich.

Solche Gastfreundschaft begegnet uns vor allem in den ländlichen Regionen Italiens. In den großen Metropolen geht es – wie überall auf der Welt – deutlich anonymer zu. Trotzdem wollen wir natürlich wissen, ob der Schiefe Turm von Pisa seinem Namen alle Ehre macht. Und ja – das macht er!

Auch den sagenumwobenen Ruinen von Pompeji statten wir einen Besuch ab. Ausnahmsweise sind wir in diesem Fall nicht traurig, dass die Sonne sich bedeckt hält.

Falls Ihr einmal dort seid, probiert unbedingt die lokale Spezialität: Graffe napoletane. Das süße Gebäck und ein starker italienischer Espresso wecken nach einem langen Tag in Pompeji wieder alle Lebensgeister.

Den Vesuv sehen wir von unserem Stellplatz aus schon jeden Morgen und Abend aus dem Dachzelt. Natürlich wollen wir hoch! Wir haben kein gutes Timing und sehen oben wenig bis nichts – in jedem Fall aber sehr viel Nebel. Am Abend – wir sind längst zurück auf unserem Stellplatz – geht dafür noch einmal spektakulär die Sonne unter.

Je weiter wir Richtung Süden fahren, umso einfacher wird zwar alles, aber umso herzlicher empfangen uns auch die Einheimischen. In einem kleinen Bergdörfchen, auf dessen Marktplatz wir die Nacht verbringen, gesellt sich am nächsten Morgen ein älteres Ehepaar zu uns auf die Bank.

Mit Händen und Füßen philosophieren wir mit ihnen bestimmt eine halbe Stunde über Gott und die Welt. Ohne, dass wir auch nur annähernd die gleiche Sprache sprechen, lachen wir herzlich zusammen. Das funktioniert eben in jedem Land der Erde doch auf die gleiche Art und Weise. Eine solche Begegnung am Morgen lässt uns ganz schnell die kalte und verregnete vorherige Nacht vergessen.

Die außergewöhnlichsten Nächte in Italien verbringen wir in der Region Basilikata. Wir übernachten auf einer alten Kart-Bahn. Zur Abfahrt dürfen wir noch ein paar Runden über den ausrangierten Kurs drehen. Mit unserem Geschoss verfehlen wir den Bahnrekord nur gaaaanz knapp.

Die südlichen Regionen Italiens hatten wir zu Beginn unserer Reise übrigens gar nicht recht auf dem Schirm. Dabei ist ein Besuch absolut lohnenswert.

Ein Sonnenuntergang in Matera, der Film-Kulisse des aktuellen James Bond Films, ist ein Muss. Nicht nur für uns, als 007 Fans. Auf den Spuren von Daniel Craig und Co wandeln wir durch die malerische Stadt.

In Apulien bestaunen wir die so genannten „Trulli“. Kleine Steinhäuser mit Dächern, die wie Zipfelmützen in die Luft ragen. Besonders viele davon finden wir in Alberobello.

Sizilien im Süden ist der Wendepunkt unserer Reise. Wir umrunden die Insel ganz klassisch einmal … und finden zwar traumhafte Buchten und Strände, aber auch Müll, Baustellen und renovierungsbedürftige Infrastruktur. Das Müllproblem, das wir schon auf dem Festland gesehen haben, hat hier definitiv seinen traurigen Höhepunkt.

Da wir Besuch auf Sizilien erwarten, bleiben wir. Wir sind mit dem deutschen Fernsehen verabredet, das uns im Rahmen einer ZDF WISO Reportage „Festangestellt auf Weltreise!“ (geplanter Sendetermin 8.8.) begleitet. Bis das TV Team eintrifft, erkunden wir das Zentrum der Insel – und sind positiv überrascht. Im Vergleich zu den Küstenregionen ist es hier relativ sauber – und nur wenige Touristen verirren sich zu uns ins Landesinnere.

So stolpern wir ganz unverhofft in diese Hundewelpen, bei deren Besitzern wir spontan einige Tage im Olivenhain übernachten dürfen. Wir werden mit frischem Obst, Gemüse und Oliven versorgt, probieren Mamas hausgemachtes Tiramisu und überlegen fieberhaft, welchen der kleinen Welpen wir mitnehmen könnten.

Als die Besitzer sehen, wie sehr uns zwei der kleinen Rabauken an’s Herz gewachsen sind, bieten sie uns tatsächlich an, sie zu einem späteren Zeitpunkt mitzunehmen. Schweren Herzens reisen wir aber schließlich ohne 4-Beiner weiter … gleich zwei Hunden können wir auf unserer Reise kein sicheres und artgerechtes zu Hause bieten. Aber: wir gehen mit dem Versprechen, dass wir beim nächsten Wurf der Hündin, auf jeden Fall wiederkommen werden.

Leider ging es nicht allen Hunden, die wir auf unserer Reise getroffen haben, so gut wie der wilden Rasselbande. Viele der herrenlosen Hunde waren leider deutlich gezeichnet vom Leben auf der Straße. Ein Hund hatte sogar nur noch drei Beine. Ausgiebige Schmuseeinheiten gab es natürlich trotzdem für jeden von ihnen, der uns besucht hat.

Das TV Team, angereist in Erwartung an Traumstrände und Sonne, filmt uns auf Sizilien für 2,5 Tage bei Sturm, Regen und zum krönenden Abschluss auf dem Ätna im Schnee. Den Einblick, den wir in unsere Reise und unser mobile office geben, ist sicherlich anders, als es sich die Redaktion ausgemalt hat. Dafür aber zu 100% authentisch.

In jedem Fall ist er nass und kalt … nicht nur wir, sondern auch Kameramann, Tontechniker und Redakteurin frieren und kämpfen mit der nassen Technik. Leider können wir am italienischen Wetter nichts ändern. Dafür sind wir optimistisch, dass während der weiteren Drehtage, die aller Voraussicht nach in Deutschland nach unserer Rückreise stattfinden werden, die Sonne scheinen wird.

Mit gemischten Gefühlen machen wir uns auf den Heimweg nach Deutschland. Im Gepäck haben wir trotz des sehr durchwachsenen Wetters eine erfolgreiche Test-Tour durch Italien. Unser Fahrzeug wird in Deutschland noch einmal den Bosch-Service besuchen, um kleinere technische Mängel beheben zu lassen. Außer einer undichten Spülschüssel und einem gerissenen Wasserkanister gab es darüber hinaus keine größeren Ausfälle.

Besser geht es aber natürlich immer! Wir sind nicht ohne neue Ideen für unser Fahrzeug zurückgekommen. Wir möchten unsere Matratzen im Dachzelt verstärken, sowie eine Outdoor-Dusche und eine 270 Grad Markise an’s Fahrzeug bringen. Es gibt also viel zu konstruieren und zu bauen … Gretas Papa und seine Manufaktur freuen sich schon...

Greta // 18.06.22 // am schönen Niederrhein



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