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Expeditionsfahrzeug Teil III - Der Ausbau

„Wie lange habt Ihr für den Ausbau Eures Fahrzeugs gebraucht?“ werden wir regelmäßig gefragt. Wir antworten meistens mit „Ca. ein Jahr“ – wobei wir beide wissen: fertig ist unser Puff eigentlich nie. Noch heute kommen uns immer neue Ideen. Wir sehen Lösungen an anderen Fahrzeugen, die wir umsetzen möchten. Uns ereilen plötzliche Geistesblitze für als „unlösbar“ abgestempelte Herausforderungen oder wir bauen Bestehendes noch einmal um, weil unsere bisherige Lösung einfach nicht alltagstauglich war. Nach einem Jahr Um- und Ausbau sieht unser Fahrzeug aber nun so aus:



Spulen wir die Zeit gedanklich 12 Monate zurück. Unser Expeditionsmobil ist gekauft, auf den Namen Puff getauft und komplett entkernt. Plus: es ist nun offiziell kein Schweizer mehr, sondern fährt unter deutschem Kennzeichen. Größte Herausforderung bis dato gelöst – wir finden, der Erfolg ist eine Flasche Sekt wert. (Wir nehmen vorweg: viele weitere solcher Momente werden folgen …).



Die zweite Flasche Sekt gönnen wir uns, als wir sicher sind: wir haben ein Fahrzeug ohne grobe Mängel gekauft. Eigentlich selbstverständlich, aber auch kleine Erfolge sollte man feiern. Spaß beiseite. Was hier vielleicht lustig klingt und schnell erzählt ist, ist das Ergebnis eines amtlichen Gutachtens, das wir für unser Fahrzeug erstellen lassen. Der amtliche Gutachter plus das Netzwerk von Gretas Papa – und das umfasst einige KFZ-Experten – sind sich einig: das Fahrzeug ist in sehr gutem Zustand. Der Puff hat seine ersten Fans!



In den folgenden Monaten wollen wir unser Fahrzeug expeditionstauglich ausbauen - d.h. Karosse und Exterieur-Anbauteile für den Offroad-Einsatz verstärken und eine autarke Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln, Strom, Gas und Kraftstoff für einige Tage sicherstellen. Werkzeug und Ersatzteile für die Erstversorgung müssen an Bord. Ebenso wie ein Bett, eine Küche, ein Bad und ein mobiles Office. Zwei Stand-up Paddle Boards und unsere Mountainbikes sollen auch noch Platz finden.



Wir merken schnell: Zu viele Ideen für zu wenig Raum. Denn neben Raum ist das Gesamt-Gewicht des Fahrzeugs von 3 Tonnen, das wir zwingend einhalten müssen, eine Herausforderung für uns. Wir streichen also die Stand-up Paddle Boards und die Mountainbikes gedanklich erstmal von der Liste.



Zudem gibt es für unseren Fahrzeugtyp kaum Bauteile von der Stange. Puffs Fahrzeugkarosse ist fest mit einem GFK-Aufbau verbunden. Der war für seinen ursprünglichen Einsatzzweck als Funkfahrzeug hervorragend geeignet, nicht aber für unsere Idee, Anbauteile auf dem Dach oder seitlich am Fahrzeug zu befestigen.



Aber einfach wäre ja langweilig. Gretas Papa konstruiert uns daher ein maßgeschneidertes Dachträgersystem und wir wagen es, dieses einfach auf unser Dach zu kleben. Wir schreiben bewusst „wagen“, denn hierfür haben wir bereits viele erstaunte Blicke geerntet. „Ihr klebt Euch einfach alles auf Euer Dach?! Das hält?!“. Ja, das tut es – zumindest bis jetzt. Zu Eurer Beruhigung, wir haben nichts ohne Berechnungen und erfolgreiche Vor-Versuche montiert.



Auf dem Dach können wir so ein 4-Personen Dachzelt, zusätzlichen Stauraum und Technik unterbringen. Das finden wir, ist eindeutig wieder einer dieser Sekt-Momente. Wir haben tatsächlich ein 4-Personen Dachzelt auf unserem Puff. Ein Zelt – und wir haben schon in vielen geschlafen – in das Jan mit seinen fast 2m entspannt ausgestreckt hereinpasst.



Da wir mit dem Kleben gute Erfahrung gemacht haben, nutzen wir diese Befestigungsmethode für weitere Anbauteile. Berge-Boards, Reservekanister oder die Verstärkungselemente der Motorhaube fixieren wir auf diese Weise am Fahrzeug.



Puffs Innenraum gestalten wir funktional und mit natürlichen Materialien. Helles Holz, robuste Polster und eine sonnig gelbe Arbeitsplatte in der Küche. So scheint bei uns im Fahrzeug immer die Sonne, auch wenn es draußen mal regnen sollte.



Die Sitze aus schwitzigem Kunstleder lassen wir unter Lammfell-Bezügen verschwinden.



Weitere Details liegen in den professionellen und strengen Händen von Gretas Mama. Das Arbeitspaket „Polster und Stoffe“ besteht mit Bravur jeden Qualitätscheck.



Unsere rückblickend größte Herausforderung des Ausbaus ist unsere Bord-Elektrik. Wir sind fit im Thema Metall, können Bohren, Schweißen, Sägen und Kleben (!) aber mit Strom kennen wir uns überhaupt nicht aus. Wir holen uns also Hilfe bei einem Experten. Nachdem der uns allerdings ein Angebot für 7.500 € unterbreitet, packt uns der Ehrgeiz. Das wollen wir selber schaffen.



Jan schafft es dank YouTube, Internetforen und diversen Expertengesprächen sich so in das Thema einzufuchsen, dass er unseren Schaltplan skizzieren kann. Diesen – und das ist definitiv kein Sekt, sondern unser Champagner Moment – schaffen wir, mit nur zwei Kurzschlüssen im Fahrzeug umzusetzen.



Falls Ihr Euch fragt, ob wir uns während des Ausbaus auch mal so richtig verkalkuliert haben? Natürlich haben wir das. Den Moment, in dem wir feststellen, dass der TÜV unsere neue Reifen Felgen Kombination nicht freigibt, vergessen wir nicht. Alte Reifen – verkauft und bereits irgendwo in Polen. Alte Felgen – frisch aufbereitet und lackiert, wieder am Fahrzeug montiert. Neue größere Reifen – auf besagte bestehende Felgen aufgezogen. Nicht bedacht: dass wir unseren Puff dem offensichtlich korrektesten TÜV Beamten Deutschlands vorführen.



Nun ja – unser Fahrzeug rollt heute wieder ganz legal auf vier – selbstverständlich eingetragenen– Rädern. Wir haben dafür aber ein paar graue Haare mehr… ….…



Zum Abschluss noch eine Anmerkung: All unsere Ideen nun live und in Farbe in unserem Puff zu sehen, macht uns definitiv stolz. Unsere Konzepte wären aber nur halb so gut geworden, hätten wir sie nicht mit unseren Freunden, Eltern oder Experten diskutieren können. Der Ausbau hätte nicht innerhalb von einem Jahr funktioniert, wenn nicht das ein oder andere Auge für uns zugedrückt worden wäre, oder das Unmögliche über Nacht doch möglich gemacht wurde. Danke dafür! Der größte Dank geht aber an den Chef-Ingenieur dieses Projektes: Gretas Papa. Unzählige Lehrstunden in der Werkstatt, viele Schweißnähte und die cleversten Lösungen stammen von ihm. Er träumt übrigens schon vom nächsten Expeditionsmobil. Ohne die kulinarischen Künste von Gretas Mama hätten wir nur halb so motiviert und kräftig stundenlang in der Werkstatt oder am Schreibtisch arbeiten können. Und: falls Ihr Euch fragt, wo die vielen Flaschen Sekt immer so plötzlich herkamen? Hiermit lüften wir das Geheimnis: Natürlich auch von Gretas Mama.


Greta // am schönen Niederrhein // 27.01.2022

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